ertappt

MPunkt hat ja schon nicht unrecht, wenn er mir vorwirft, dass mein beitrag zum konkret-kongress an einer stelle etwas arg elliptisch gehalten war. ja, ich störe mich daran, wenn Karl Held in aller öffentlichkeit flappsige bis zynische formulierungen wie „die ausländeranzünderei“ oder „was macht ihr euch verrückt wegen ein paar Zündeleien!“
benutzt – auch wenn er das gleichzeitig durch seien offenbare empörung über diesen sachverhalt konterkariert.

sprache ist eh etwas, an dem GSP und MG , als deren vertreter Karl Held nun mal gelten kann, krank(t)en: sprache, die sich irgendwo zwischen zynismus, bemühter flapsigkeit und bewussten pc-verstößen („neger“) bewegt, und in mir immer wieder ekel vor jargon auslöst. das ist um so bedauerlicher, als dass sich dort in gar nicht so wenigen texten einige wertvolle argumente verbergen. die werden einem allerdings durch das auftreten der üblichen GSP-adepten recht schnell verleidet

wahrscheinlich werde ich für diese formkritik jetzt dicke gescholten; etwas anderes wäre auch nicht zu erwarten von leuten, die einem verein die stange halten, der nun schon seit jahrzehnten darauf wartet, dass der berg zum propheten kommt, und jede reflektion darüber, ob nicht möglicherweise die form der argumentationsvermittlung zumindest mit ein teil des problems ist, scheut wie der teufel das weihwasser. wer ernsthaft glaubt, man müsse nur den leuten die richtigen argumente aggressiv vor den latz knallen, der ist eigentlich völlig ungeeignet für jede form von politik. dass soll kein plädoyer dafür sein, auch nur ein jota der kritik aufzugeben; aber es ist dringend notwendig darüber nachzudenken, wie diese kritik zu formulieren ist, dass die leute sich ihrer annehmen. der ton macht nun mal die musik.

ps: dass Karl Held es trotzdem nicht verdient, absurderweise von Gremliza als mitverantwortlich für die pogrome bezeichnet zu werden, habe ich in meinem alten beitrag übrigens schon erwähnt. MPunkt muss sich seinerseits gefallen lassen, ein schlechter leser zu sein, wenn ihm das nicht auffällt, vor lauter aufregung darüber, dass ich – wenn auch sprachlich sehr ungenügend – seinen Helden kritisiert habe.
pohrt & gremliza exerzieren in diesem video vor, wie sie eine kritik, die ihnen nicht passt, einfach nur rhetorisch auflaufen lassen. an einer wirklichen erklärung, was rassismus, kapitalismus & nationalismus verbindet, sind sie nicht interessiert, sie konstantieren lieber einen „webfehler“ der deutschen. spiegelbildlich zu held, der sich selbst nicht die frage stellt, warum denn rassismus in deutschland so kurz nach der wende einen so viel drastischeren charachter annahm als anderswo in kapitalistischen verhältnissen, kommen sie selber nicht darüber hinaus, so ein verhalten nur über das rekurieren auf ns-traditionslinien überhaupt skandalisieren zu können. statt darauf zu kommen, dass man beim betrachten von mörderischem rassismus in deutschland sowohl dessen nationale besonderheiten als auch dessen gemeinsamkeiten mit rassismus an anderen orten kapitalistischer vergesellschaftung anschauen müsste, bewegen sich beide parteien hier in ihrem gemütlich eingerichteten theorie-eckchen.


1 Antwort auf „ertappt“


  1. 1 MPunkt 02. August 2005 um 16:18 Uhr

    Du hast mich falsch verstanden. Es ging mir nicht darum, dass du diesen speziellen Anwurf Gremlizas teilen würdest, sondern um die Identität eurer beiden Methoden, nämlich auf Kritik nicht inhaltlich einzugehen, sondern euch stattdessen über die Wortwahl aufregt.

    Dazu zweierlei:
    1.) Zum einen ist es für die Gedanken völlig unerheblich, mit welchen Wörtern sie ausgedrückt werden. Karl Helds Erklärung, wie die Leute auf’s Ausländeranzünden kommen und in welchem Verhältnis das zum Staat steht, wird nicht verkehrter oder richtiger dadurch, ob er nun von „Ausländeranzünderei“ oder von „Morden an Ausländern“ spricht.

    2.) Wer da dennoch auf die Wortwahl abhebt, hat daher auch ein anderes Interesse, als die inhaltliche Klärung eines Gegenstandes. Wenn es um eine solche geht, versucht man eben, die Gedanken des Gegenübers nachzuvollziehen und prüft diese auf ihre Richtigkeit. Wenn man etwas über den Gegenstand wissen will, lässt man sich davon doch nicht von der Wortwahl abschrecken! Insofern ist es auch immer geheuchelt, wenn gesagt wird, dass man sich mit den eigentlich interessanten Inhalten (leider, leider) nicht befassen könne, weil ja die Form so schlecht sei. Vielmehr teilt man dann die Inhalte eben nicht und will sich auch nicht weiter damit befassen – die Formkritik ist ein Alibi dafür und dazu noch eins, mit dem man sich und anderen bestätigen kann, wie toll moralisch man doch selbst ist.

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