Archiv für Juni 2006

diese hässlichen nazis!

die ästhetischen unzulänglichkeiten von nazis zu betonen, hat ja in den letzten paar jahren offenbar an beliebtheit zugenommen, jedenfalls wenn indymedia, diverse blogs und webboards als indikatoren taugen. dass jetzt auch die sinistra! auf den zug aufspringt, finde ich schon derbe bedenklich, und angesichts deren sonstiger kritik an allerlei gesellschaftlicher normierung arg schizophren. bei nazis ausgerechnet zu kritisieren, dass sie fett & hässlich oder schlecht gekleidet sind, ist einfach… ach, mir fehlen gerade die worte & die lust, das angemessen auszuformulieren. es ist aber vielleicht nur folgerichtig, wenn in der szene die richtigen klamotten tragen immer wichtiger wird, kaum noch leute brillen tragen, und viele ins fitnessstudio rennen. eventuell sind die letzteren beiden sachen ja noch mit street-fighting-kompabilität einigermassen zu erklären, aber die grenzen zur übernahme gesellschaftlicher normen über gesundheit, sport, aussehen etc. erscheinen mir fliessend. was besonders witzig ist, wenn mensch sich die parallelen zu diversen faschismen vergegenwärtigt. die feschen HJler aus Riefenstahls „Triumph des Willens“ liessen sich jedenfalls nicht in so einem abscheu-diskurs inszenieren wie die fette krake von nebenan.

traum II

mit freunden in der disco. karte an der kasse gekauft. als wir drin sind, stellen wir fest, dass es eine fußballparty ist, wo alle leute shorts tragen müssen (tue ich merkwürdigerweise auch), und 20 € mindestverzehr berappt werden sollen. wir werden auf kulanzbasis nicht rausgelassen, und versuchen heimlich, vom gelände (großraum-disco-biergarten oder so) zu kommen, das mit suchscheinwerfern (sic!) bestrahlt wird. während der flucht vor den disco-wachmannschaften gebe ich noch explizit verbal meiner verwunderung ausdruck, wie sehr das szenario dem film „gesprengte ketten“ ähnelt.

ich denke, ich sollte weniger Adornotexte zur kulturindustrie lesen…

wucher

meine polit-sozialisation der letzten drei jahre als semiantideutscher lässt mich bei diesem SPON-artikel dann doch fragen, ob dem autor der begriff „wucher“ wohl auch gekommen wäre, wenn der zu beschreibende nicht ausgerechnet „Blankfein“ hiesse…

ach ja, und perfekt vernetzt ist er auch…

re

so, fast ein halbes jahr ist ins land gegangen, da wird es überraschend sein, dass ich mich tatsächlich noch mal melde, auch wenn ich es öfter versprochen habe.

woran lag es? nun, die weihnachtsferien habe ich zum größten teil damit vebracht, deprimiert mit meinem notebook im bett zu liegen, filme zu gucken, oder die höchst exzellenten Sandman-Comics v Neil Gaiman zu lesen:
The Sandman: Preludes & Nocturnes - Book I (Sandman Collected Library)

ich war dreimal aus dem haus in dieser zeit – davon einmal zum abi-jahrgangstreffen. nach vier jahren lohnt das übrigens nicht – niemand sieht interessant anders aus, fast niemand hat was richtig neues zu erzählen.

3 wochen später hab ich es dann tatsächlich geschafft, direkt in der 4. besichtigten WG genommen zu werden. für hiesige verhältnisse zentral gelegen, nur noch 10 min zur uni, 5 min in die innenstaadt, nette mitbewohner. auf mein blog hatte ich dann irgendwie keinen bock. so weit, so gut, dachte ich, als mich irgendwann mitte märz, nach erfolgtem umzug, aus heiterem himmel doch mal wieder eine mittelschwere ein-tages-depression überfiel. „sind wir also doch wieder hier“ dachte ich mir – und ich muss sagen, ich war schon etwas enttäuscht.

frau muss dazu wissen: im spätsommer habe ich
Saturns Schatten. Die dunklen Welten der Depression.
aus dem Bücherschrank meiner Mutter studiert. eigentlich ließ das nur das ergebnis zu, dass ich gar keine depression haben kann. die nun alle paar wochen wieder auftretenden, teilweise extrem kurzen episoden (die letzte liegt heute ungefähr dreieinhalb wochen zurück) passen einfach nicht zur depression. ne freundin brachte mich dann darauf, mir mal bipolare störungen (vielen eher unter dem alten namen „manische depression“ bekannt) anzugucken (das mit suizidrisiko bitte geflissentlich überlesen. nicht mein ding). ich hatte immer gedacht, dafür bräuchte es aber auch manischer phasen, die mir einfach abgehen. tut es aber nicht. dumm, was? da fehlt der ganze spaß!

solche selbstdiagnosen sind natürlich nicht besonders ernstzunehmen, aber zumindest verstehe ich das jetzt. und das ist ja auch schon was wert. auch wenn ich mich zu nem therapieversuch wohl erst mal nicht durchringen werde. dafür reicht der leidensdruck einfach nicht

ansonsten: ich studiere tatsächlich wieder, und evt wird es sogar was. „dann hab‘ ich mein jodeldiplom, dann hab‘ ich was festes“

oder auch nicht