Archiv für Juli 2006

beweisführung

Ivo Bozic, immerhin Chefredakteur einer (manchmal sogar lesbaren) linken Wochenzeitschrift, findet argumentieren manchmal offenbar zu anstrengend. anstatt jetzt also argumente dafür zu bringen, warum Hisbollah, Hamas, PLO & Fatah nationalsozialistisch (oder doch nur faschistisch? wird nicht ganz klar, steht ja nix bei) sind, verlinkt er halt n paar fotos von denen mit ausgestrecktem rechten arm. vielleicht lege ich polemik jetzt zu sehr auf die goldwaage, aber das ganze funktioniert halt auch in richtungen, die Ivo bestimmt nicht passen:

wollt ihr das totale Bochum?

das dümmstbenamste und mittlerweile größte cityfest in Deutschland hat heute angefangen. ist ja bei mir um die ecke, und die Fehlfarben spielten auch, also hat sich bigmouth das mal angetan. in erinnerung an frühere termine lötete ich mit einem bier und einem nicht zu kleinen tequila sunrise vor – die alkoholinduzierte dämpfung misanthropischer schübe ist für meine person bei solchen anlässen nie verkehrt. tatsächlich war es überraschend erträglich, trotz horden von menschen, von denen auch noch ein nicht unerheblicher teil nach patchouli roch.
für mich bergen solche straßenfeste ja manches rätsel. dass man auf open airs ohne schnellen zugang zu anderen verköstigungseinrichtungen auch mal 4,50 € für einen lumpigen hot-dog oder einen teller nudeln hinblättert, ist ja noch verständlich – das gleiche mitten in einem großstadtzentrum zu tun, wo man eh alle 5 meter über eine dönerbude fällt, hingegen gar nicht.
genug von den mysterien des alltags, zu den fehlfarben. ich habe nun mittlerweile nun schon einige bands jenseits ihres biologischen und künstlerisch-kreativen zeniths gesehen (zum beispiel Metallica vor zwei jahren) , aber dieser anblick erschreckte mich dann doch irgendwie. die band erinnerte vom aussehen her an jene traurigen coverband-existenzen, die durch die lande touren und bei baumarktseröffnungen zum tanze aufspielen. ich meinte, die angst um die rente praktisch schon in ihren gesichtern sehen zu können

Peter Hein selbst wies in seiner jeansjacke eine wirklich erschreckend große, nicht nur von mir bemerkte ähnlichkeit zu Jürgen Drews auf. so weit, so schlecht; und wirklich feuer hatte das ganze auch weiterhin nicht. aber es war trotzdem irgendwie schön, songs des punk-urgesteins und Fehlfarben-vorgängers Mittagspause wie „Innenstadtfront“ oder „Industriemädchen“ zu hören, und „Grauschleier“ gewann ungemein durch eine Grönemeyer-parodie Heins, mit der dieser auf dessen coverversion des songs auf dem anfang des jahres erschienenen tribute-albums verwies. mit „Paul ist tot“ nahm das ganze ein halbwegs würdiges ende. dem besten deutschsprachigen rockalbum überhaupt
Monarchie & Alltag (Edition 2000)
auch nach 25 jahren noch gerecht werden zu müssen, ist wohl einfach zu viel verlangt

anschließend kamen die „Toasters“, wohl eine berühmte NYC-Ska-Band. ich war mittlerweile betrunken genug, um sogar an offbeats spaß zu haben, und tanzte.

das anschließende vorhaben, im stadtpark dem verbrennen deutscher fahnen beizuwohnen, scheiterte daran, dass ausser meinen begleitern und mir sich nur ein nichtsahnender wanderzirkus am bismarckturm befand. wirklich schade.

Syd Barrett ist tot

eben erst im FR-feuilleton gesehen, und auch sonst eigentlich überall gut gefeatured ist das wohl kein ereignis, das leuten mit großer wahrscheinlichkeit entgehen wird. aber wenn jemand maßgeblich an einem der schönsten alben der spät60er überhaupt beteiligt war
The Piper at the Gates of Dawn

und dem das schicksal später so böse mitspielte, (s zB wikipedia), dann kann ich da ja auch mal n lumpigen blogeintrag zu verfassen. immerhin, einige meiner lieblingssongs stammen aus seiner feder. wer frühe pink floyd nicht kennt: ändern! sofort!

hitler-comedy

Das nizkor project ist endlich wieder online. als mit die ausführlichste site im netz über holocaust-leugnung, mit vielen primären dokumenten, vielleicht eine der wertvollsten erscheinungen im netz für historiker. und leider häufig nicht zu erreichen – ob es am server liegt, oder an DDoS-attacks durch neonazis, ist schwer zu sagen. sehr verdienstvolle sache jedenfalls.

eine äusserst unerwartete stelle jedenfalls, um etwas zum lachen zu finden. aber folgende absätze aus einem hitlerprotrait für den amerikanischen geheimdienst sind äusserst unterhaltsam & filmreif:

Always awkward when in the company of foreigners, he has avoided direct social contact since 1936, confining his associations to formal receptions and visits to the opera where he is flanked by supporters. The last time that he accepted an invitation from a foreigner was in 1935 when he attended a gala dinner given by the then pro-German English newspaper king, Lord Rothmere. The dinner, which is still recalled with some degree of pain by the few persons who were present, took place in the Adlon Hotel, where the British host had commanded that the largess of Germany and Europe be spread before his guest.

Finally Hitler arrived in his brown coat, and brushing aside the customary few minutes of getting together and chatting before beginning dinner, immediately placed himself at the table. Then Lord Rothmere was to learn to his astonishment and embarrassment that the Fuehrer is truly a rare avis. Not only did he decline to drink, but also refused to eat anything. Moreover, Lord Rothmere spoke no German and the table had been so disadvantageously arranged that it was only with difficulty that an interpreter could operate. The meal was distinctly unpleasant for all present and the courses were hurried through while Hitler indifferently sipped at his glass of water. Suddenly he began to speak, the words pouring forth like a torrent and literally engulfing his hapless host, who could not understand a word and did not dare interrupt or disturb him by appealing to the interpreter.

At the end of twenty minutes the whole company was obviously uncomfortable and after forty minutes the Fuehrer was still going strong while those in the room sat petrified in miserable silence. Not until he had spoken in his loudest, harshest platform voice for forty-five minutes did Hitler get his message out of his system, and then he made abrupt signs of wanting to depart. In their haste to get up from the table, the victims of the ordeal pushed chairs helter-skelter and one of them inadvertently tipped over a large china vase, which fell with a crash. At that moment all of the doors leading into the dining room burst open and uniformed S.S. guards sprang into the room with drawn pistols.

Chaplin hätte das verfilmen sollen

vorratshaltung

in manchen dingen ist meine wg schon sehr merkwürdig. oder fällt euch ein guter grund ein, warum leute genug eiswürfelfolie auf vorrat kaufen, um 2000+ Eiswürfel machen zu können? diese mengen sind ein historisches relikt von vor meiner zeit. aber mein vorgänger hat auch mal 20.000 blatt druckpapier auf einmal bestellt – assoziationen zur „Pappa ante Portas“ liegen nahe

letzteres ist angesichts der existenz dieses kleinen wunderdingens in unserem wohnzimmer

Wohnzimmerschmuck

aber gar nicht so schlimm