kein holocaust – na dann

wohl jeder vernünftig linksradikal sozialisierter mensch schlägt bei holocaust-relativierung alarm. angesichts der horden von tierschützern, nazis, israel-kritikern und dresden-beweinern, die diese anstreben erstmal sinnvoll. fies wird es da, wo es zu einem automatismus wird, wie gestern bei crull. da wird in einem spiegel-artikel zur höchstwahrscheinlich durch Stalin bewusst herbeigeführten hungersnot in der ukraine, die zum tod von millionen menschen führte, einige male das wort „holocaust“ benutzt. durchaus kritikwürdig, und auch untersuchung wert, wieso die Ukrainer offenbar ein interesse an diesem negativen ehrentitel – oder auch an verwendung der wissenschaftlich in diesem fall nicht unumstrittenen kategorisierung des genozids – haben. crull dagegen schüttet das kind mit dem bade aus: für ihn ist damit offenbar die gesamte angelegenheit ein „antikommunistisches lügenmärchen“, eine „geschichtsfälschung“, „gewürzt mit Kannibalismusstorys“, die ja eigentlich ausdrücken möchte, dass „Stalin schlimmer als Hitler“ gewesen sei. der eigentliche skandal sind nicht millionen von toten ukrainern, sondern die heute lebenden, die sich erfrechen, diese tragödie einen holocaust zu nennen. klar, 4 – 7 mio unter stalin verreckte ukrainer – ein deutscher kommunist weiss: so etwas zu thematisieren, kann nur aus sinistren motiven erfolgen. die bürgerliche hetzpresse funktioniert halt so:

In diesem Fall, weil es um bzw. gegen die SU geht, ist es halt antikommunistisch. Und jetzt sag’ bitte nicht, die Sowjetunion wäre gar nicht kommunistisch gewesen. Antikommunistisch ist es auch deswegen, weil weder der Spiegel noch Facsar kommunistisch sind.

so ein scharfblickender analytiker kann auch bücher alleine auf grund ihres titels bewerten:

Bei Wikipedia findet sich eine Literaturliste, welche deutlich macht, worauf es drei der aufgeführten vier Autoren, die über den Holodomor publizierten, ankam: Auf die Gleichsetzung einer von sowjetischer Seite womöglich forcierten, jedenfalls nicht verhinderten Hungersnot mit der deutschen industriellen Massenvernichtung. Der vierte Autor Douglas Tottle scheint sich in seinem Buch Fraud, Famine and Fascism. The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard eben damit auseinanderzusetzen. Leider fehlen bei Wikipedia weitere Angaben

ein wahres genie!


10 Antworten auf „kein holocaust – na dann“


  1. 1 w 22. Januar 2007 um 1:41 Uhr

    wie shcon beim johnny m-posting: ohne mich mit der materie gerade befassen zu wollen schießt du doch am ziel vorbei, denn wo sagt crull dass die mio. verhungerten wurstepiep sind? oder dass stalin wiederbelebt werden sollte? es sind doch zwei völlig verschiedene sachen, die es auseinanderzuhalten gilt, ob man eine kritik des stalinismus, seiner staatsvergötterung, produktivitätsfetisch usw liefert der solche opfer willentlich in kauf nahm, oder ob man den ukrain. und dt. revisionismus angreift, der ja gerade nicht um die verhungerten trauert weil er eine welt ohne hunger schaffen will, sondern weil er noch aus ganz anderen gründen eine rechnung mit stalin offen hat, zb um hitler/die deutschen nicht so schlecht dastehen zu lassen.

  2. 2 bigmouth 22. Januar 2007 um 1:48 Uhr

    das problem ist, dass crull das mE gerade nicht getrennt hat. und „deutschen revisionismus“ sehe ich in dem artikel nicht. und das problem an „ukrainischem revisionismus“ kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen – oder was meinst du damit?

  3. 3 w 22. Januar 2007 um 1:54 Uhr

    bin jetzt zu müde, les doch mal die tage nach bei crull und spiegel und schreib dann evtl nochmal

  4. 4 crull 22. Januar 2007 um 2:02 Uhr

    Ein letztes Mal will ich versuchen, meinen Standpunkt zu erklären, obwohl es doch eigentlich du bist, dessen Verhalten und dessen Vorwürfe, die mit Kritik wirklich nichts zu tun haben, eine Erklärung deinerseits dringend notwendig machen würden. Nachdem du meinen Eintrag kommentiert und dabei nicht mit Beleidigungen gespart hast, hast du also diesen Text verfaßt und wie schon in der Kommentarspalte all‘ meine Antworten ignoriert oder verdreht. An einer Klärung warst du bis jetzt nicht interessiert, aber ich hoffe, daß sich das noch ändern wird.
    Nun behauptest du, ich würde leugnen, daß diese Hungersnot zum Tod von Millionen geführt hat. Das tue ich aber nicht und habe das auch nirgends gemacht. Im Gegenteil habe ich dir bereits geantwortet, daß ich die Erfindung eines zweiten Holocaust als ein antikommunistisches Gruselmärchen bezeichne. Weiter schrieb ich, dieses Gruselmärchen sei “gewürzt mit Kannibalismusstorys” und bezog mich eindeutig auf den Artikel bei Spiegel Online.
    Dann wirst du mir vor, ich hätte nicht ausreichend Betroffenheit gezeigt, als ich über die Hungersnot schrieb. Warum auch, ich schrieb ja auch über die Gleichsetzung mit dem Holocaust! Macht mich das nun zu einem „deutschen Kommunisten“? Jedenfalls gehört zu meiner Identität keinerlei Nationalismus und wie du auf das Gegenteil kommst, bleibt mir rätselhaft.
    Dein Hohn über meine Argumentation, weshalb dieser Artikel antikommunistisch ist, kann ich nicht verstehen und fordere dich auf, mir zu erklären, weshalb meine Erklärung verkehrt ist.
    Wenn du dann schon dabei bist, kannst du gleich klarstellen, weshalb Buchtitel wie „Vernichtung durch Hunger“, „Der ukrainische Hunger-Holocaust“ und „Ernte des Todes. Stalins Holocaust in der Ukraine“ keine Rückschlüsse auf den Inhalt erlauben.
    Vielleicht mache ich mir auch einfach zu viele Gedanken über dich und du warst heute einfach mal in bester Pöbellaune. Soll ja vorkommen. Gute Nacht.

  5. 5 tee 22. Januar 2007 um 12:22 Uhr

    antikommunistisch, „weil es um bzw. gegen die su geht“?
    dann ist es wohl auch antikapitalistisch, wenn es um bzw. gegen (das heutige) russland gehen würde?

    antikommunistisch, „weil weder der spiegel noch facsar kommunistisch sind“.
    dann ist ja wohl jeder artikel der sog. bürgerlichen presse antikommunistisch.

    du nicht freund, du feind!

  6. 6 crull 22. Januar 2007 um 20:53 Uhr

    Das Zitat mal komplett:

    „Steht in dem Artikel auch nur eine Distanzierung von der Gleichsetzung mit dem Holocaust? Nein. Wird der Darstellung Kuns, der Holocaust sei ja sogar weniger schlimm als diese Hungersnot, weil über diese im Gegensatz zum Holocaust “zu lange geschwiegen” wurde, widersprochen? Auch nein.
    Fanny Facsar legt mit ihrem Artikel nahe, das bitte ebenfalls so zu sehen und das Gruselmärchen von einem weiteren Holocaust zu glauben. In diesem Fall, weil es um bzw. gegen die SU geht, ist es halt antikommunistisch. Und jetzt sag’ bitte nicht, die Sowjetunion wäre gar nicht kommunistisch gewesen. Antikommunistisch ist es auch deswegen, weil weder der Spiegel noch Facsar kommunistisch sind. Was die schreiben, schreiben sie von einem bürgerlich-demokratischen Standpunkt aus für Demokraten. Aber das ist ja eigentlich bekannt.“

    Sehe ich überhaupt nicht ein, wieso ich ohne ein Gegenargument davon abrücken sollte. Stattdessen lege ich noch einmal nach: Wer als für die deutsche Öffentlichkeite Schreibende dem Stalinismus einen zweiten Holocaust anhängen will, der tut das, um ein für allemal jedes kommunistische Projekt zu erledigen! Dem geht es auch nicht allein darum, an die Opfer der Hungersnot zu erinnern, die sind gern genommenes Mittel zum Zweck, die Einmaligkeit des Holocaust zu leugnen und Kommunisten als Nazis zu „enttarnen“.

    „dann ist es wohl auch antikapitalistisch, wenn es um bzw. gegen (das heutige) russland gehen würde?“

    Soll dat n Witz sein? Vermutlich. Haha.

    „dann ist ja wohl jeder artikel der sog. bürgerlichen presse antikommunistisch.“

    Kommt drauf an. Wenn Demokraten gegen Kommunismus oder was sie dafür halten anschreiben, ist das jedenfalls antikommunistisch. Das ist auch nicht schwer verständlich, oder?

    „du nicht freund, du feind!“

    Was soll ich denn auf sowas antworten? Daß du nicht ganz ernst zu nehmen bist? Daß deine Freund-Feind-Denke lächerlich ist? Daß ich sowieso nie in Versuchung stand, dein Freund zu sein, vor allem, weil ich nicht weiß, wer du bist? Oder daß ich mich als „Feind“ von seltsamen Spinnern wie dir eigentlich ganz wohl fühle?
    Such dir was aus.

  7. 7 bigmouth 22. Januar 2007 um 21:35 Uhr

    es ist halt so, dass das wort „holocaust“ im wesentlichen den ukrainern dazu dienen soll, heraus zu stellen, wie schlimm es ihnen halt auch ergangen ist – und nicht dazu, die shoa zu leugnen oder kleiner zu machen (wie du darauf kommst, hätte ich gerne mal erklärt). dem artikel kann ich auch nicht entnehmen, dass sie dazu sachen erfinden, wie zB industrielle ermordung. deswegen finde ich „lügenmärchen“ wegen fehlverwendung eines begriffes halt falsch & dumm. dass diese gleichsetzung dem namen nach fehl geht, weiß ich auch.

    ich fände es ja auch ganz angenehm, mal über die stalinistischen verbrechen an der menschheit zu reden ohne ns-vergleich. mittlerweile vA, weil die automatische abwehr der beteiligten linken oft jede diskussion, ob da nicht irgendwo doch grundsätzliche probleme einer falsch (?) verstanden kommunismus-erlösungsideologie eine rolle spielen, im keim ersticken. und das halte ich für wichtig – und für innerkommunistische debatten sogar wichtiger als die shoa. die versuche, den stalinismus als das „ganz andere“ (staatskapitalismus, whatever) zu entsorgen, gehen meiner meinung nach fehl, und sind ausdruck eines bedürfnis, unangenehmen fragen (zB zweck/mittel-relationen, zwang usw) aus dem weg zu gehen.

    zur singularitätsdebatte empfehle ich übrigens, 2,3 kapitel aus peter novicks „Nach dem Holocaust. Der Umgang mit dem Massenmord“ zu lesen

  8. 8 tee 22. Januar 2007 um 22:28 Uhr

    gegen russland könnten auch die straightisten prokapitalisten etwas schreiben, genauso wie kommunisten etwas „um bzw. gegen“ die su schreiben könnten. die kausalität, es müsste halt antikommunistisch sein, nur „weil es um bzw. gegen die su geht“ oder weil jemand oder etwas nicht kommunistisch, ist (mir) einfach nicht einleuchtend. genauso wie die schlussfolgerungen, die ich treffen müsste:

    jede/r/s nicht faschistische müsste antifaschistisch sein.
    oder besser:
    jede/r/s nicht toxische müsste antidotarisch sein.

  9. 9 tee 22. Januar 2007 um 22:30 Uhr

    ps: so habe ich die “du nicht freund, du feind!”-denkweise hoffentlich besser beschrieben, die du anwendest …

  10. 10 crull 23. Januar 2007 um 1:03 Uhr

    @ bigmouth:

    „es ist halt so, dass das wort “holocaust” im wesentlichen den ukrainern dazu dienen soll, heraus zu stellen, wie schlimm es ihnen halt auch ergangen ist – und nicht dazu, die shoa zu leugnen oder kleiner zu machen (wie du darauf kommst, hätte ich gerne mal erklärt). dem artikel kann ich auch nicht entnehmen, dass sie dazu sachen erfinden, wie zB industrielle ermordung. deswegen finde ich “lügenmärchen” wegen fehlverwendung eines begriffes halt falsch & dumm. dass diese gleichsetzung dem namen nach fehl geht, weiß ich auch.“

    Wenn es wirklich darum ginge, auf erlittenes Leid aufmerksam zu machen, dann bräuchte es nicht eine so offensichtlich verkehrte Bezeichnung. Und wer sagt denn, daß da was dazu erfunden wurde? Darum ging es doch gar nicht. Übrigens schrieb ich durchgehend von „Gruselmärchen“, aber das nur nebenbei.

    „ich fände es ja auch ganz angenehm, mal über die stalinistischen verbrechen an der menschheit zu reden ohne ns-vergleich.“

    Mach doch, auch wenn ich den Ausdruck „verbrechen an der menschheit“ schon jetzt etwas merkwürdig finde.

    „mittlerweile vA, weil die automatische abwehr der beteiligten linken oft jede diskussion, ob da nicht irgendwo doch grundsätzliche probleme einer falsch (?) verstanden kommunismus-erlösungsideologie eine rolle spielen, im keim ersticken. und das halte ich für wichtig – und für innerkommunistische debatten sogar wichtiger als die shoa. die versuche, den stalinismus als das “ganz andere” (staatskapitalismus, whatever) zu entsorgen, gehen meiner meinung nach fehl, und sind ausdruck eines bedürfnis, unangenehmen fragen (zB zweck/mittel-relationen, zwang usw) aus dem weg zu gehen.“

    Hier kann ich dir nicht folgen. Wer feiert denn den Stalinismus oder nimmt ihn in Schutz? Die, die das tun, interesieren doch heute selbst die allermeisten Kommunisten nicht mehr. Den Verweis auf den Holocaust verstehe ich auch nicht. Meinst du, Kommunisten sollten besser mal über Stalinismus statt über Auschwitz reden, weil sie eben Kommunisten sind und vor der eigenen Haustür kehren sollen? Keine Ahnung, ich versteh das nicht.

    „zur singularitätsdebatte empfehle ich übrigens, 2,3 kapitel aus peter novicks “Nach dem Holocaust. Der Umgang mit dem Massenmord” zu lesen“

    Warum? Begründe so eine Empfehlung doch, statt einfach so einen Titel in die Runde zu werfen.

    @ tee:

    „gegen russland könnten auch die straightisten prokapitalisten etwas schreiben, genauso wie kommunisten etwas “um bzw. gegen” die su schreiben könnten. die kausalität, es müsste halt antikommunistisch sein, nur “weil es um bzw. gegen die su geht” oder weil jemand oder etwas nicht kommunistisch, ist (mir) einfach nicht einleuchtend. genauso wie die schlussfolgerungen, die ich treffen müsste:

    jede/r/s nicht faschistische müsste antifaschistisch sein.
    oder besser:
    jede/r/s nicht toxische müsste antidotarisch sein.“

    Demokraten sind also gar nicht per defintionem antikommunistisch, sondern finden z.B. die Abschaffung des Privateigentums eigentlich ganz ok bzw. bewerten das völlig neutral? Tut mir leid, das ist völlig absurd.

    „ps: so habe ich die “du nicht freund, du feind!”-denkweise hoffentlich besser beschrieben, die du anwendest …“

    Hä?

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