Archiv für Januar 2007

schlechter post-AD-rap und israelischer faschismus

(anmerkung: nach einigem nachdenken halte ich es für falsch, wie ich das den begriff „faschismus“ hier verwende, siehe hier)

Johnny Mutante macht nicht nur grauenvolle musik, sondern verfügt – sogar am niveau der heutigen (post)antideutschen szene gemessen – über eine mangelhafte politische urteilskraft, das zeigt sich uA in seiner myspace-verlinkung des israelischen Kahane-Anhängers David Ha‘ivri, eines fundamentalistisch-religiösen Faschisten, und ein wichtiger führer dieser bewegung in israel – einer älteren inkarnation dieser bewegung wurde 1988 in israel die teilnahme an knesset-wahlen verboten

Ha‘ivri setzt sich nicht nur für die Vertreibung der Palästinenser und die Annexion aller besetzten gebiete ein – da finden sich auch verschwörungstheorien, die erstaunliche parallelen zu stürmerartikeln über das verderbnis deutscher mädchen durch die juden aufweisen:

While statistics are obscured as to how many Jewish girls are being held in Arab villages, the estimation is that the number is in the tens of thousands. As part of the over-all war against the Jewish state, they systematically dispatch young Arab men to charm Jewish girls and take them back to their villages.

propaganda funktioniert halt immer recht ähnlich…

man kann johnny ja einfach zu gute halten, dass er zu dumm ist, sich seine myspace-freunde anzugucken. dann kann er das ja als konstruktiven vorschlag annehmen…

EDIT: nein, johnny ist sogar noch dümmer, als der stand der dinge gestern abend war. wie ich gerade sehe, hat er die myspace-freundschaft sogar vor einigen tagen freudig auf seinem blog verkündet. aufgefallen ist offenbar weder ihm noch seinen blogbesuchern irgend etwas. wow, ist das dumm, ich bin richtiggehend begeistert

kein holocaust – na dann

wohl jeder vernünftig linksradikal sozialisierter mensch schlägt bei holocaust-relativierung alarm. angesichts der horden von tierschützern, nazis, israel-kritikern und dresden-beweinern, die diese anstreben erstmal sinnvoll. fies wird es da, wo es zu einem automatismus wird, wie gestern bei crull. da wird in einem spiegel-artikel zur höchstwahrscheinlich durch Stalin bewusst herbeigeführten hungersnot in der ukraine, die zum tod von millionen menschen führte, einige male das wort „holocaust“ benutzt. durchaus kritikwürdig, und auch untersuchung wert, wieso die Ukrainer offenbar ein interesse an diesem negativen ehrentitel – oder auch an verwendung der wissenschaftlich in diesem fall nicht unumstrittenen kategorisierung des genozids – haben. crull dagegen schüttet das kind mit dem bade aus: für ihn ist damit offenbar die gesamte angelegenheit ein „antikommunistisches lügenmärchen“, eine „geschichtsfälschung“, „gewürzt mit Kannibalismusstorys“, die ja eigentlich ausdrücken möchte, dass „Stalin schlimmer als Hitler“ gewesen sei. der eigentliche skandal sind nicht millionen von toten ukrainern, sondern die heute lebenden, die sich erfrechen, diese tragödie einen holocaust zu nennen. klar, 4 – 7 mio unter stalin verreckte ukrainer – ein deutscher kommunist weiss: so etwas zu thematisieren, kann nur aus sinistren motiven erfolgen. die bürgerliche hetzpresse funktioniert halt so:

In diesem Fall, weil es um bzw. gegen die SU geht, ist es halt antikommunistisch. Und jetzt sag’ bitte nicht, die Sowjetunion wäre gar nicht kommunistisch gewesen. Antikommunistisch ist es auch deswegen, weil weder der Spiegel noch Facsar kommunistisch sind.

so ein scharfblickender analytiker kann auch bücher alleine auf grund ihres titels bewerten:

Bei Wikipedia findet sich eine Literaturliste, welche deutlich macht, worauf es drei der aufgeführten vier Autoren, die über den Holodomor publizierten, ankam: Auf die Gleichsetzung einer von sowjetischer Seite womöglich forcierten, jedenfalls nicht verhinderten Hungersnot mit der deutschen industriellen Massenvernichtung. Der vierte Autor Douglas Tottle scheint sich in seinem Buch Fraud, Famine and Fascism. The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard eben damit auseinanderzusetzen. Leider fehlen bei Wikipedia weitere Angaben

ein wahres genie!

Blut & Boden

reverse psychology – wenn jemand schreibt, etwas wäre nicht würdig, verlinkt zu werden, dann guck ich extra schnell, da bin ich sehr vorausschaubar. so geschehen mit dem blutmond-forum, erwähnt von jojo im mädchenblog. ist auch gut so, sonst hätte ich diese perle glatt verpasst:

Hallo, ich bin ganz neu unter euch. Auf diese Seite bin ich gestossen, da ich nach einem Ritual für den Mutterkuchen suche und hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.
Lacht bitte nicht [sic!], aber in meinem Gefrierschrank lagert bereits seit sieben und sechs Jahren der Mutterkuchen meiner beiden Töchter. Ich hatte mir bereits vor Jahren vorgenommen irgendwann, wenn ich den richtigen Platz gefunden habe, einen Baum für jedes Kind zu pflanzen und wollte daraus ein Ritual mit dem Mutterkuchen zelebrieren. Da ich bisher nur von Mietwohnung zu Mietwohnung zog, fand ich nie einen Ort, von dem ich sicher war, dass meine Töchter „hier“ mal ihren Baum wurzel lassen können.
Vor einigen Wochen habe ich aber einen wunderbaren Mann geheiratet und wir planen nicht nur ein gemeinsames Kind, sondern auch die Gestaltung unseres eigenen grossen Gartens. Kurz gesagt: Wir haben nun einen Ort gefunden, an dem wir wortwörtlich Wurzeln schlagen wollen und auch können!
Ich habe vor die Bäume im Herbst zu pflanzen. Ausgewählt mit Hilfe des keltischen Baumhoroskop nach unseren Geb.Daten, einen Apfelbaum für mich und meinen Mann, eine Trauerweide und eine Eberesche für meine Töchter.
Gibt es Dinge die ich beachten muss? Ich habe noch nie einen Baum gepflanzt, geschweige denn, eine Placenta vergraben. Gammelt mir der Baum weg, wenn ich ihn auf das aufgetaute rohe Fleisch setze oder sollte ich es lieber nen halben Meter tiefer eingraben oder gar nicht direkt unter den Baum?
Gibt es Vorschläge wie ich die Kindern dabei integrieren kann und ihnen bewusst machen kann, welche Bedeutung die Placenta mal hatte und was der Baum nun für die beiden bedeutet? Wenn alles wie erhofft läuft, wäre ich zu diesem Zeitpunkt sogar erneut schwanger, sodass wir evtl. schon einen Platz für einen weiteren Baum gemeinsam aussuchen könnten.

antworten:

[…]Ähnlich sehe ich es auch mit der Plazenta. Sie ist aus den selben zwei Zellen gewachsen, aus denen sich das Kind auch entwickelt hat. Es gehört zum Kind, es war ein lebenswichtiger Teil seines Lebens und wir schmeissen sie herzlos weg ohne „danke“ zu sagen. Ich freue mich richtig darauf, mit meinen Töchtern die Bäumchen zu pflanzen[…]

und

[…]Wichtig war und ist mir, der Erde etwas zurückgegeben zu haben, ein Stück von mir und dem Kind irgendwie mit dem Kreislauf des werdens und vergehens eingebracht zu haben. Ein bisschen war es auch wie eine beerdigung, meine Schwangerschaft und das leben ohne das Baby wurden begraben.[…]

und

[…]Ein bestimmtes Ritual wollte ich auch nicht umbedingt halten, ich möchte nur gerne den Kindern einen Baum/einen Platz widmen. Ich möchte ihnen zeigen wie der Kreislauf funktioniert. Und ich möchte nicht etwas in den Müll schmeissen, was ein Teil von ihnen ist! (…und auf den Platz in meinem Gefrierschrank freu ich mich auch schon ;-) !) Es ist für mich auch eine Art dankbares Geschenk an die Erde, dafür dass sie mir so gesunde und wunderbare Kinder geschenkt hat. Ich weiß nicht, ob die Kinder diesem Platz dann später eine Bedeutung abgewinnen können, aber für mich wird jeder einzelne Baum etwas besonderes sein.[…]

disclaimer: ich halte diese frauen nicht für nazis oder so. schlicht harmlose spinner. aber die überschrift war zu gut!

antiamerikanismus in der tiefkühltruhe

beim googlen zufällig gefunden. wegen dem irakkrieg soll es bei aldi keine amerikanische pizza geben, und die dort grassierende unkultur wird auch noch angemahnt. kann man so was tatsächlich ernst meinen?

dummheit siegt

so, zu viel gekriegt. meine vollkommene unkenntnis php und html betreffend hat mich jetzt dazu gebracht, einfach das k2-theme zu nehmen. da funktionieren last.fm und die letzten comments nämlich auf anhieb.

das mit den comments ist schön, weil man da sieht, wie heiss her es in der comment-sektion meines grigat-beitrags hergeht. leider mag spamkarma die dissidenz.tk-url nicht (evt einfach direkt verlinken), so dass ich die beiträge der einen seite dauernd manuell freischalten muss. das macht es verständlich, dass die antworten auf dem anderen blog stehen. weniger verständlich finde ich, warum dort die kommentar-funktion offenbar deaktiviert ist – einer diskussion nicht so zuträglich, will ich meinen