Archiv für März 2008

Adorno, Hegel und das Argument

Über Ingo Elbe bin ich letztens über Hans Albert gestoßen, einen der Mitstreiter Poppers im sogenannten Positivismusstreit. Im Hans Alber-Lesebuch findet sich am Ende ein parodistischer Text aus einem Sammelband für Paul Feyerabend, in dem sich Albert über Feyerabends Rationalismus-Kritik lustig macht. In diesem Kontext zitiert er Adorno über Hegel:

Hegel mißtraut dem Argument tief und mit Recht. Primär weiß der Dialektiker, was später Simmel wiederentdeckte: daß, was argumentativ bleibt, dadurch stets der Widerlegung sich exponiert. Darum enttäuscht Hegel notwendig die Suche nach dem Argument. Schon die Frage nach dem Warum, die der unbewaffnete Leser häufig an Hegelsche Übergänge und Folgerungen zu richten sich bemüßigt fühlt, wo andere Möglichkeiten als die von ihm ventilierten offen dünken, ist ungemäß. […] Das Ideal ist nichtargumentatives Denken. […] Thesen gibt es so wenig wie Argumente; Hegel hat sie als »Spruch« verspottet. Virtuell ist immer eines auch das andere: das Argument die Prädikation dessen, was eine Sache sei, also These; die These urteilende Synthesis, also Argument.

Entspannung des Bewußtseins als Verhaltensweise heißt, Assoziationen nicht abwehren, sondern das Verständnis ihnen öffnen. Hegel kann nur assoziativ gelesen werden. Zu versuchen ist, an jeder Stelle so viele Möglichkeiten des Gemeinten, so viele Beziehungen zu anderem einzulassen, wie irgend sich aufdrängen
(S. 370, Drei Studien zu Hegel)

Passt wie Arsch auf Eimer zu meinem Eindruck von der Hegelei. Und legt vielleicht nahe, warum ich weder aus Hegel noch aus Adorno besonders viel sinnvolles ziehen konnte. Wer vor der Frage steht, ob er sich damit beschäftigen sollte, dem kann ich nur raten: Eher nicht.