Adorno, Hegel und das Argument

Über Ingo Elbe bin ich letztens über Hans Albert gestoßen, einen der Mitstreiter Poppers im sogenannten Positivismusstreit. Im Hans Alber-Lesebuch findet sich am Ende ein parodistischer Text aus einem Sammelband für Paul Feyerabend, in dem sich Albert über Feyerabends Rationalismus-Kritik lustig macht. In diesem Kontext zitiert er Adorno über Hegel:

Hegel mißtraut dem Argument tief und mit Recht. Primär weiß der Dialektiker, was später Simmel wiederentdeckte: daß, was argumentativ bleibt, dadurch stets der Widerlegung sich exponiert. Darum enttäuscht Hegel notwendig die Suche nach dem Argument. Schon die Frage nach dem Warum, die der unbewaffnete Leser häufig an Hegelsche Übergänge und Folgerungen zu richten sich bemüßigt fühlt, wo andere Möglichkeiten als die von ihm ventilierten offen dünken, ist ungemäß. […] Das Ideal ist nichtargumentatives Denken. […] Thesen gibt es so wenig wie Argumente; Hegel hat sie als »Spruch« verspottet. Virtuell ist immer eines auch das andere: das Argument die Prädikation dessen, was eine Sache sei, also These; die These urteilende Synthesis, also Argument.

Entspannung des Bewußtseins als Verhaltensweise heißt, Assoziationen nicht abwehren, sondern das Verständnis ihnen öffnen. Hegel kann nur assoziativ gelesen werden. Zu versuchen ist, an jeder Stelle so viele Möglichkeiten des Gemeinten, so viele Beziehungen zu anderem einzulassen, wie irgend sich aufdrängen
(S. 370, Drei Studien zu Hegel)

Passt wie Arsch auf Eimer zu meinem Eindruck von der Hegelei. Und legt vielleicht nahe, warum ich weder aus Hegel noch aus Adorno besonders viel sinnvolles ziehen konnte. Wer vor der Frage steht, ob er sich damit beschäftigen sollte, dem kann ich nur raten: Eher nicht.


5 Antworten auf „Adorno, Hegel und das Argument“


  1. 1 Ti0um 11. März 2008 um 2:09 Uhr

    Es sei denn man muss sich die Terminologie aneignen um im (nicht nur) antideutschen Zirkus den eigenen redundanten Blödsinn mit den richtigen Begriffen verkaufen zu können.

  2. 2 schorsch 11. März 2008 um 16:03 Uhr

    @ bigmouth: was passt dir denn nicht?

  3. 3 alkohol 14. März 2008 um 18:22 Uhr

    Zwar bin ich nicht so der Hegel-Experte, aber obige Einlassung von Adorno halte ich nicht für der Weisheit letzter Schluss.
    Der Tip mit dem assoziativen Lesen ist bei allen möglichen Texten nie ganz verkehrt – vor allem in ästhetischer Hinsicht. Und als ich mit dem Philosophie-Studium anfing blieb mir auch gar nichts anderes übrig als so vorzugehen wie es Adorno für Hegel vorschlägt.

    Hegels Texte sind erstmal schon abgefahren, und man weiß erstmal kaum, wovon sie handeln. Aber das liegt m. E. nicht daran das Hegel dem Argumentieren misstraut (das Adorno und meinem Eindruck nach auch Arno Schmidt in seinen Essays das tun, finde ich ärgerlich), vielmehr misstraut Hegel dem Definieren von Termini. Er pflegt die seltsame, aber doch nicht absurde Vorstellung einer voraussetzungslosen Theorie.
    In einem Seminar, wo wir anfingen die [i]Wissenschaft der Logik[/i] zu lesen, sagte der Tutor recht bald: „Wenn man jetzt mal diesen Abschnitt aus dem 2. Band liest, gehen einem hier vorne die Kronleuchter an!“.
    Der Eindruck, Hegel misstraue dem Argument, stellt sich besonders im 1. Band der [i]WdL[/i] ein, weil er so einen erzählenden Tonfall hat. Er scheint den Begriff eher zu beschreiben.

    Wenn man mitkriegen will, dass Hegel durchaus keinen verquasten Quark verzapft, sondern Gedanken formuliert, kommt man wohl nicht umhin, erstmal andere philosophische Texte zu verstehen – insbesondere Aristoteles und Kant. Er setzt halt viel voraus und verrät das auch nicht immer.

    Jedenfalls hat mir bereits das wenige, das ich bei Hegel verstanden habe, ziemlich geholfen, theoretische Texte klarer zu lesen.

  4. 4 alkohol 05. Mai 2008 um 4:04 Uhr

    Huch, war mein Beitrag zu wirr oder hat er dich zu einem zermürbenden Intensiv-Studium von Hegels Werken veranlasst?

    Schreib‘ doch mal wieder, bigmouth.

  5. 5 Pirx 09. Juni 2009 um 21:09 Uhr

    Da kommt nix mehr – auch Bigmouth misstraut dem Argument, soviel hab ich schon gelernt. Mehr als nen schwurbeligen Adornotext zitieren und sich dann auch davon zu distanzieren läuft hier nicht. Ist halt ein Skeptizist, der Bigmouth.

    „Hegel misstraute dem Argument“, wie kommt man auf sowas? Das war doch grad sein Ziel, die Vernünftigkeit der Welt argumentativ zu beweisen. Das gerät zwar kompliziert und manchmal falsch (weil die Prämisse nicht stimmt und die Welt sehr unvernünftig sein kann), ist aber noch immer nicht so ein assoziativer Schwurbelkram wie bei Adorno.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.