Archiv der Kategorie 'Leben'

„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“

Ich möchte mich auf Euch verlassen können
Lärmend mit Euch Durch die Straßen rennen
(wer wohl)

ich nicht. könnte auch am alter liegen. aber wer das möchte, der sollte mit den konsequenzen leben können. und bitte nicht wundern:

Sowas kommt von sowas:

Ab 18 Uhr werden wir vom Oberhausener Hauptbahnhof durch die Innenstadt laufen und für eine starke antifaschistische Jugendkultur demonstrieren. Wir wollen eine Jugendbewegung, welche die deutschen Realitäten kritisch hinterfragt und radikal kritisiert, eine, welche antifaschistisch agiert und engagiert angreift

warum zur hölle soll antifa eine „jugendbewegung“ sein? mit szenecodes, -klamotten und – musik? dabei kommt doch nur raus, was die demo heute war: es wird eine demo gemacht, um eine demo zu machen. wie ein umzug eines trachtenvereins, inhaltlich wird – trotz gut gemeinter reden – nichts vermittelt. da kann man auch kegeln gehen.

Jede unserer Handbewegungen
Hat einen besonderen Sinn
Weil wir eine Bewegung sind

Grigat in Oberhausen

habe eben einer vorstellung des buches „Feindaufklärung und Reeducation Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ beigewohnt.

im gegensatz zu der veranstaltung, bei der kristi* war, wurde dabei rassismus nicht angesprochen (angesichts von kristis ausführungen wohl auch zu verschmerzen), sondern handelte es sich, als heimspieleffekt wohl angeleitet durch das recht eindeutig antideutsche publikum des antifacamps, größtenteils um ein recht argumentfreies abgefeiere der kritischen theorie bzw. ihrer angeblichen aktuellen wiederbelebung in form obigen sammelbands, gespickt mit polemischen ausfällen gegen andere theorieformationen.

gerade klassiker wie der adorno-satz, hass auf die psychoanalyse sei verborgener antisemitismus, wirkten in diesem zusammenhang wie hermetisierung erster güte. ansonsten bewies Grigat mal wieder seine fachkenntnis über islamismus, der ja nur eine radikalisierung des islams darstelle, und für den er vorläufig den begriff „umma-sozialismus“ vorschlug (ich bin leider nicht mehr dazu gekommen, zu fragen, inwiefern denn zB der Iran ein sozialistischer staat sei), und islamophobie, wo er den begriff – in verkennung des unterschieds zwischen genese und geltung – dadurch zu desavourieren versuchte, seinen ursprung begriffsgeschichtlich bei den iranischen Mullahs zu suchen. sehr komisch war auch, bei einem camp, wo die zu erwerbenden IDF-T-Shirts einen bereits am anmeldetisch des infopoints begrüssten, jede vorwurf der überidentifikation für unsinnig zu erklären. Grigats versuch, einen angeblichen zionistischen imperativ zu konstruieren, fiel vor allem durch wirre und länge auf. die üblichen floskeln über friedensbewegung als volksgemeinschaft uÄ. kamen auch noch.

welchen argumentativen nährwert & relevanz das zitieren 35 jahre alter, größtenteils aus briefen und zeitungsartikeln zusammengesuchten 3zeiler von autoritäten der KT für den Libanonkrieg haben sollte, weiß wohl nur Grigat selbst. meine frage, ob denn der antisemitismus im nahen osten wirklich mit dem am deutschen und europäischen entwickelten begriff der KT wesentlich identisch sei, bejahte er, nicht ohne hinweis auf den für ihn wohl dogmatisch feststehenden satz, man dürfe antisemitismus ja nie aus den handlungen der juden herleiten (wäre vielleicht schön, wenn einige postantideutsche sich das zur abwechslung bei rassismus gegen migranten hierzulande auch einleuchten lassen würden. schaden würde es wohl nicht). nach einem kleinen „ausrutscher“ über das ukrainische und baltische „Pack“ der „Hilfsvölker“ ging es dann weiter mit nicht wirklich falschen ausführungen zum antisemitismus in palästina, wobei das angesichts des publikums wohl ein absolut überflüssiges „preaching to the converted“ darstellte. ob irgend jemand in dem raum noch nicht vom SS-Mufti gehört hatte, darf bewzeifelt werden.

insgesamt a complete waste of time. Weiterempfehlen kann ich dafür Ingo Elbe von der roten ruhr unider vorher einen kompakten, überzeugenden einstiegsvortrag zur entwicklung des marxismus von 1878 an gehalten hatte

wollt ihr das totale Bochum?

das dümmstbenamste und mittlerweile größte cityfest in Deutschland hat heute angefangen. ist ja bei mir um die ecke, und die Fehlfarben spielten auch, also hat sich bigmouth das mal angetan. in erinnerung an frühere termine lötete ich mit einem bier und einem nicht zu kleinen tequila sunrise vor – die alkoholinduzierte dämpfung misanthropischer schübe ist für meine person bei solchen anlässen nie verkehrt. tatsächlich war es überraschend erträglich, trotz horden von menschen, von denen auch noch ein nicht unerheblicher teil nach patchouli roch.
für mich bergen solche straßenfeste ja manches rätsel. dass man auf open airs ohne schnellen zugang zu anderen verköstigungseinrichtungen auch mal 4,50 € für einen lumpigen hot-dog oder einen teller nudeln hinblättert, ist ja noch verständlich – das gleiche mitten in einem großstadtzentrum zu tun, wo man eh alle 5 meter über eine dönerbude fällt, hingegen gar nicht.
genug von den mysterien des alltags, zu den fehlfarben. ich habe nun mittlerweile nun schon einige bands jenseits ihres biologischen und künstlerisch-kreativen zeniths gesehen (zum beispiel Metallica vor zwei jahren) , aber dieser anblick erschreckte mich dann doch irgendwie. die band erinnerte vom aussehen her an jene traurigen coverband-existenzen, die durch die lande touren und bei baumarktseröffnungen zum tanze aufspielen. ich meinte, die angst um die rente praktisch schon in ihren gesichtern sehen zu können

Peter Hein selbst wies in seiner jeansjacke eine wirklich erschreckend große, nicht nur von mir bemerkte ähnlichkeit zu Jürgen Drews auf. so weit, so schlecht; und wirklich feuer hatte das ganze auch weiterhin nicht. aber es war trotzdem irgendwie schön, songs des punk-urgesteins und Fehlfarben-vorgängers Mittagspause wie „Innenstadtfront“ oder „Industriemädchen“ zu hören, und „Grauschleier“ gewann ungemein durch eine Grönemeyer-parodie Heins, mit der dieser auf dessen coverversion des songs auf dem anfang des jahres erschienenen tribute-albums verwies. mit „Paul ist tot“ nahm das ganze ein halbwegs würdiges ende. dem besten deutschsprachigen rockalbum überhaupt
Monarchie & Alltag (Edition 2000)
auch nach 25 jahren noch gerecht werden zu müssen, ist wohl einfach zu viel verlangt

anschließend kamen die „Toasters“, wohl eine berühmte NYC-Ska-Band. ich war mittlerweile betrunken genug, um sogar an offbeats spaß zu haben, und tanzte.

das anschließende vorhaben, im stadtpark dem verbrennen deutscher fahnen beizuwohnen, scheiterte daran, dass ausser meinen begleitern und mir sich nur ein nichtsahnender wanderzirkus am bismarckturm befand. wirklich schade.

vorratshaltung

in manchen dingen ist meine wg schon sehr merkwürdig. oder fällt euch ein guter grund ein, warum leute genug eiswürfelfolie auf vorrat kaufen, um 2000+ Eiswürfel machen zu können? diese mengen sind ein historisches relikt von vor meiner zeit. aber mein vorgänger hat auch mal 20.000 blatt druckpapier auf einmal bestellt – assoziationen zur „Pappa ante Portas“ liegen nahe

letzteres ist angesichts der existenz dieses kleinen wunderdingens in unserem wohnzimmer

Wohnzimmerschmuck

aber gar nicht so schlimm

ich liebe gewitter

ich werde wohl nie verstehen, warum selbst einige leute in einer hochzivilisierten gesellschaft gewitter nicht mögen. wenn man auf dem feld arbeiten , gar eine bauernkate mit tropfendem dach bewohnen müsste, wäre das ja zu verstehen. das schlimmste, was uns allgemein so blüht, ist ein nasser dachboden, und das lässt sich dank zuverlässiger vorraussagen auch verhindern. und ein schirm lässt sich auch immer einpacken, wie auch in der regel der nexte fleck zum unterstellen nicht weit ist. und dann lässt sich dieses schauspiel einfach geniessen – inklusive überlaufender rindsteine. es gibt wenig, bei dessen anblick ich mich so sehr am leben fühle wie ein richtig schön heftiges gewitter, mit blitz & donner direkt über meinem kopf, und einem himmel, der die farbe dunkler tinte annimmt. nachher ist die luft rein und es ist wieder gut zu schlafen. für mich fast das schönste am sommer.